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Müllenbach sattelt um: Statt Rock bald Windkraft?

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Müllenbach. Das Geschäft der Gemeinde Müllenbach mit den Veranstaltungen am Nürburgring brummt nicht mehr so wie früher. Jetzt will die Kommune an einem großen Rad drehen und wie viele andere Dörfer rund um die Rennstrecke auf Windkraft setzen.

Und da es in der Verbandsgemeinde Adenau keine gemeinsame Strategie in Form eines Solidarpakts gibt, kann jede Kommune ihr eigenes Ding machen. Müllenbach hat seinen Weg gefunden: Wenn sich auf dem Höhenzug zwischen Rote Heck und Bränkekopf oberhalb von Müllenbach in Zukunft irgendwann einmal drei oder vier Räder drehen sollten, würden die Anwohner rund um den Windpark über preisgünstigen Strom profitieren. Bürgerstrom heißt das Modell der Stadtwerke Aachen, mit dem die Gemeinde liebäugelt. Am Freitag, 24. April, soll es um 19 Uhr in der Elsberghalle der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Bürgermeister Udo Mergen glaubt nicht mehr daran, dass die Rennstrecke in Zukunft noch eine zuverlässige Geldquelle sein wird. Eine hohe sechsstellige Summe hat die Verpachtung von Park- und Zeltflächen bei Großveranstaltungen am Nürburgring bisher in die Gemeindekasse gespült. "Bereits 2014 hat sich gezeigt, dass diese Einnahmen gegenüber dem Vorjahr erheblich geschrumpft sind", so Bürgermeister Mergen, der auch registriert, dass selbst beim Truck-Grand-Prix 2014 nur noch 3000 Zelte auf den Wiesen zu zählen waren. 1994 waren es noch 12 000.

Auf der Suche nach Alternativen ist die Gemeinde auf die besondere Option der Stadtwerke Aachen gestoßen. Findet sie Akzeptanz, wollen die Stadtwerke Aachen in dem Eifelort drei oder vier Windräder betreiben und dabei nicht nur der Gemeinde Garantiepacht zahlen, sondern auch dafür sorgen, dass die Stromrechnung der Bürger deutlich geringer ausfällt - unabhängig davon, von welchem Anbieter die Kunden ihren Strom beziehen.

Mit einer Windhöffigkeit von 7 Meter pro Sekunde hat Müllenbach das Kapital, um auf Windkraft zu bauen. Viele Projektierer und Betreiber haben bereits angeklopft. Doch die Gemeinde wollte sich nicht überrumpeln lassen und hat abgewartet. Bürgermeister Mergen berichtet, dass jedes Ratsmitglieder sich über ein bestimmtes Fachgebiet innerhalb der Windkraft schlau gemacht hat. Ziel war es, mit Sachverstand einen möglichst seriösen Betreiber zu finden und auch den Menschen im Ort Vorteile zu verschaffen.

Müllenbach hat schließlich den Gemeinde- und Städtebund mit ins Boot geholt. Über ein Interessenbekundungsverfahren fand man schließlich die geeigneten Betreiber. Die Wahl fiel auf die Stadtwerke Aachen (Stawak). Im Visier hat sie drei bis vier 3000-Megawatt-Anlagen, die samt Flügel eine Höhe von rund 200 Metern erreichen.

Udo Mergen weiß, dass auch die Gegner bereits in den Startlöchern stehen, zum Beispiel Sympathisanten der Kelberger Bürgerinitiative "Sturm im Wald". Doch der Bürgermeister lässt Proteste gelassen auf sich zukommen: Wenn das Echo nach der Bürgerversammlung überwiegend negativ ist, gebe es schließlich die Möglichkeit, ein Bürgerbegehren zu initiieren.

Doch Mergen sieht sich und den Rat auch in der Pflicht, die finanzielle Zukunft der Gemeinde auf eine solide Basis zu stellen. Denn die Gemeinde leistet sich mehr als die Pflichtaufgaben. Sie hat erst für 1,2 Millionen Euro die Elsberghalle saniert, muss vier gemeindeeigene Liegenschaften unterhalten, bezahlt das Schneeräumen und finanziert den Karneval.

Quelle: Rheinzeitung, Beate Au

 

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